Dachverband: Österreichischer Pennäler Ring

Geschichte der PV! Nibelungen

Die älteste Pennalverbindung Vorarlbergs, die “Pennale Ferialverbindung Kavanzia”, wurde 1877 in der Gartenstadt Dornbirn gegründet. Die allgemeine Entwicklung verlief danach sprunghaft: Es folgten “Freya”, “Cheruscia”, der “Alpenclub”, “Teutonia” und “Arminia”, um nur einige zu nennen, und am 23. September 1919 schließlich kam es am Bundesgymnasium in Bregenz zur Konstituierung der Pennalverbindung der Nibelungen.

 

Sie stellte eine Zusammenfassung deutschfreiheitlicher Studenten dar und durfte sogar Räumlichkeiten im Erdgeschoß dieser Schule benutzen. Zu den anderen Vorarlberger Verbindungen, wie der deutschvölkischen Pennalverbindung “Arminia”, der Jungburschenschaft “Germania” (gegr. 1902), dem Pennalcorps “Cheruskia” (gegr. 1905) bestanden von jeher freundschaftliche Bande. Ausdruck dieses engen Zusammengehens war auch der 1928 ins Leben gerufene Landeskommers, der jährlich abwechselnd in Bregenz, Dornbirn oder Feldkirch stattfand und zu einem studentischen Großereignis avancierte. 1933 ging mit dem Landeskommers in Feldkirch diese erfreuliche Entwicklung abrupt zu Ende. Der Ständestaat Dollfuß’scher Prägung brachte es mit sich, daß im Frühjahr 1934 der Aktivenbetrieb sämtlicher Pennalien in Vorarlberg eingestellt wurde. Trotz harscher Proteste der Altherrenschaften kam es zu zahlreichen Beschlagnahmungen, zum Verlust des Inventars am BG Bregenz und sogar zur Relegation einzelner Schüler.

 

Im nationalsozialistischen Deutschland zeichnete sich parallel dazu eine ähnliche Entwicklung ab. Nach anfänglicher Duldung machten bald wie die von NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach verwendeten Schlagworte “verlogene Alt-Heidelberger Romantik”, “arbeiterfeindliches Feudalwesen”, “Feinde der sozialistischen Revolution” die Runde, obwohl die deutsche Studentenschaft seit ihren Ursprüngen stets auf Seiten einer deutschen Freiheit gestanden hatte und dafür nachweislich Schäden und politische Verfolgung erlitten hatte. Als ein Auftakt zu verschärftem Durchgreifen stellte sich die Suspension des Corps “Saxo-Borussia” in Heidelberg dar, die getreu ihrer deutschfreiheitlichen Überzeugung auch Kritik am Führer und Reichskanzler Adolf Hitler geübt hatten. Daß dies ein Sakrileg im neuen deutschen Reich bedeutete, konnten jene, die von jeher sich zum deutschen Vaterland bekannten, nicht ahnen, und in der Folgezeit wurden sämtlichen studentischen Verbindungen das Brandmal der “politischen Unzuverlässigkeit” verliehen.

 

In Österreich änderte sich auch nach dem 1938 vollzogenen Anschluß daran nichts, bei dem die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ihr Votum für Hitlerdeutschland abgegeben hatte. Nachdem auch Vorarlberger farbentragende Studenten auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges ihrer Pflicht gegenüber ihrem Volk und nicht eines obersten Führers erfüllt hatten und dafür einen hohen Blutzoll errichten mußten, wollte es nach 1945 zunächst nur schwer gelingen, wieder an die alten freiheitlichen Traditionen anzuknüpfen. Die Besatzungsmächte, die sich gern als “Befreier” bezeichnen ließen, fanden für derartige Aktivitäten keinerlei Verständnis. Zwei Jahre nach Abschluß des österreichischen Staatsvertrages kam es 1957 mit tatkräftiger Unterstützung der Pennalverbindung “Alemannia” zur Reaktivierung der Nibelungen.

 

Die Nibelungen erlebten danach Höhen und Tiefen im Aktivenbetrieb, behielten aber gemäß ihres Wahlspruches “Treue um Treue” stets eine optimistische Haltung.

 

Die Probleme reichten von Raummangel, dem beinah ständigen Umzug von einer Räumlichkeit in die nächste, der schließlich erst 1990 durch das herzliche Entgegenkommen des Altherren Thomas Kinz und seiner Bereitstellung eines Kellergewölbes in der Kirchstraße 14 behoben werden konnte.

 

In den 70er Jahren waren außerdem die allgemeinen Aktivitäten spürbar zurückgegangen, um 1979 ihr vorläufiges Ende zu finden. Wiederum war es den “Alemannen” zu verdanken, daß die Nibelungen sich 1985 wie der mythenhafte Vogel Phoenix aus der Asche erhoben und mit stark verjüngten Kräften sowie frischem Optimismus versehen den Aktivenbetrieb zu neuerlicher Blüte führten. Mag dies mit der lang ersehnten Rückkehr der Werte verbunden sein, der Umkehr von einseitigen linken Utopien, dem Näherrücken eines neuen Zeitalters, des 21. Jahrhunderts?

Wir Können es nicht mit absoluter Gewißheit sagen, steuern aber den Traditionen verpflichtet sowie dem guten Neuen gegenüber stets aufgeschlossen dem neuen Land mit Zuversicht entgegen.

 

Ad multos annos dem Bund der Nibelungen!